Osterfeuer

Fundsachen zu Glaube und Kirche von Kaplan Stefan Salzmann, Hofheim am Taunus

Von meiner Oma: das „Goldene Vaterunser“

In meiner Kindheit war es vor allem meine Großmutter, die mich in Glaubensdingen erzog. Sie war es, die mich sechsjährig an einem Werktag mit in die Kirche nahm, wo ich zum ersten Mal ministrieren durfte (der Pfarrer musste mir noch ziemlich viel helfen, soweit ich mich noch erinnern kann).

Und meine Oma, sie starb 1995, war es auch, die mir jedes Jahr zur Karwoche wieder ein Gebet vorbetete. Das sog. „Goldene Vaterunser“. Wenn ich das Gebet heute wieder spreche,  muss ich immer an sie denken. Es ist vielleicht die ein klein wenig altertümliche Sprache, oder es sind die Emotionen, die die einzelnen Abschnitte bei mir hervorrufen, die das Gebt für mich besonders machen.

Hier ist die Version, die von meiner Großmutter überliefert ist:

Als Jesus und unsere liebe Frau beieinander saßen im größten Schmerz und Herzeleid, und wieder voneinander schieden:

„Ach Sohn lieber Sohne mein, was wirst du am heiligen Palmsonntag sein?“

„Am heiligen Palmsonntag werde ich sein ein Herr über alle Herren und ein König über alle Könige, des Himmels und der Erde.“

„Ach Sohn lieber Sohne mein, was wirst Du am heiligen Montag sein?“

„Am heiligen Montag werde ich sein ein trauriger Wandersmann.“

„Ach Sohn lieber Sohne mein, was wirst Du am heiligen Dienstag sein?“

„Am heiligen Dienstag werde ich ein Prophet sein, werde predigen, meine Worte werden wahr werden und dringen durch die ganze Welt.“

„Ach Sohn lieber Sohne mein, was wirst du am heiligen Mittwoch sein?“

„Am heiligen Mittwoch werde ich ein blutroter Mann sein, um 30 Silberlinge verkauft.“

„Ach Sohn lieber Sohne mein, was wirst du am heiligen Gründonnerstag sein?“

„Am heiligen Gründonnerstag werde ich mit meinen Jüngern essen, das letzte Abendmahl , das heilige Osterlamm.“

„Ach Sohn lieber Sohn mein, was wirst Du am heiligen Karfreitag sein?“

„Ach liebste Mutter mein, das kann ich dir gar nicht sagen, es tut mir von Herzen leid, du sollst nicht verzagen. Man wird mich hoch an das Kreuze hängen, drei Nägel durch Hände und Füße schlagen. Aber ich werde wieder zu Euch kommen.“

„Ach Son lieber Sohne mein, was wirst Du am heiligen Karsamstag sein?“

„Am heiligen Karsamstag werde ich sein ein Weizenkorn und werde  hundertfältige Frucht bringen.“

„Ach Sohn liebster Sohne mein, was wirst du am heiligen Ostertag sein?“

„Am heiligen Ostertag werde ich von meinem Grabe auferstehen, werde das Kreuz in den Händen tragen und werde dich und die heilige Maria Magdalena wieder sehen.“

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

© 2017 Osterfeuer

Thema von Anders Norén